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🠶 Station 6 – In Vielfalt geeint
Aktualität Wenn man in Europa einen „Parma-Schinken“ kauft, dann kann man sicher sein, dass dieser auch wirklich aus der italienischen Region rund um die

Aktualität

  • Wenn man in Europa einen „Parma-Schinken“ kauft, dann kann man sicher sein, dass dieser auch wirklich aus der italienischen Region rund um die Stadt Parma stammt. Denn es handelt sich um eine geschützte Herkunftsbezeichnung.
  • Jedes Jahr präsentieren zwei Regionen Europas in „Kulturhauptstädten“ die Vielfalt und Fülle ihres historischen, kulturellen und ethnischen Lebens und ziehen damit Hundertausende Besucherinnen und Besucher an.
  • Nationale ethnische Minderheiten sind in der Europäischen Union besonders geschützt und dürfen ihre Sprachen und Traditionen pflegen – das gilt für die Katalanen in Spanien ebenso wie für die Sorben in Deutschland.

In Vielfalt geeint in einer pluralistischen Gesellschaft

Die Staaten und Völker Europas sind reich an Traditionen, geschichtlichen Erfahrungen und Kulturen. Sie machen Europa so einzigartig und interessant.

Lange Zeit wurde befürchtet, dass die immer engere Zusammenarbeit der europäischen Staaten innerhalb der Europäischen Union auch zu einer Vereinheitlichung der nationalen Kulturen führen würde – dass „Brüssel“ nicht nur technische, sondern auch gesellschaftliche und kulturelle Normen harmonisieren, sozusagen den „Einheitseuropäer“ schaffen wolle. Aber dies war niemals Ziel des europäischen Integrationsprozesses.

Um dies deutlicher zu machen, wurde im Jahr 2000 der Slogan „In Vielfalt geeint“ im Rahmen eines EU-weiten Wettbewerbs ausgewählt. Seit 2004 ist er das offizielle Motto der Staatengemeinschaft. Er soll deutlich machen, dass sich die Europäerinnen und Europäer zusammengeschlossen haben, um sich gemeinsam für Frieden, ihre Werte und Wohlstand einzusetzen und gleichzeitig die Vielzahl ihrer Kulturen, Sprachen und Traditionen zu bewahren. Dies wurde auch im EU-Vertrag in Artikel 3, Absatz 3, festgehalten: Die EU „wahrt den Reichtum ihrer kulturellen und sprachlichen Vielfalt und sorgt für den Schutz und die Entwicklung des kulturellen Erbes Europas.“

Sichtbarer Ausdruck der Sprachenvielfalt ist zum Beispiel, dass im Europäischen Parlament alle 24 Amtssprachen der EU in Debatten und Dokumenten benutzt werden. Bürgerinnen und Bürger können in ihrer Sprache Eingaben an die europäischen Institutionen machen und bekommen auch in dieser eine Antwort. Deshalb ist der Aufwand für Übersetzungs- und Dolmetscharbeiten sehr hoch. Das ist der Preis der gelebten Vielfalt, der sich aber lohnt.

Du möchtest wissen, welche Bräuche und Feste in Europa existieren?

Dann schaue auf dieser Webseite https://folklore-europaea.org/ vorbei. Dort kannst du nach Land und Jahreszeit in die europäische Vielfalt eintauchen.

Vielfalt leben

Das gemeinsame Motto „In Vielfalt geeint“ ist aber nicht nur eine Richtschnur für die Institutionen der EU und der Mitgliedstaaten. Auch wir Bürgerinnen und Bürger sind aufgefordert, dieses Motto zu leben: Jede und jeder kann stolz auf die Errungenschaften der eigenen Geschichte und Tradition sein, sich der Pflege der eigenen Sprache und Dialekte widmen und patriotische Gefühle haben. Aber es sollte klar sein: Keine Ethnie, keine Kultur, keine Tradition ist weniger wert als die jeweils anderen – sie unterscheiden sich, aber sie sind gleichwertig und schützenswert in ihrer jeweiligen Einzigartigkeit. Eine nationalistische Überhöhung der eigenen Nation bzw. Kultur oder die Abwertung anderer Völker als minderwertig führen zu Misstrauen, Hass und Kriegen. Damit haben wir Europäerinnen und Europäer im 20. Jahrhundert ausreichend negative Erfahrungen gemacht und sind uns einig, dass so etwas nie wieder geschehen darf. Wir sollten in unserem Alltag deshalb bedenken, ob wir Vorurteile gegenüber anderen Nationen bedienen, wenn diese universell als faul, notorische Autodiebe oder grundsätzlich korrupt bezeichnet werden und nur die eigene Nation wisse, wie man Dinge richtig macht.

Besuche das „Haus der Europäischen Geschichte“ in Brüssel

dort wird auch die Vielfalt des täglichen Lebens in den Mitgliedstaaten der EU dargestellt. https://historia.europa.eu/de

Vielfalt schützen – Pluralismus und Toleranz als Leitideen gesellschaftlichen Zusammenlebens

Die Idee der Vielfalt gemeinschaftlicher Traditionen, Kulturen, Sprachen ist verbunden mit der Idee individueller Vielfältigkeit in modernen Gesellschaften: Wir sind jeder und jede für sich erfreulich einzigartig und dürfen unsere individuellen Vorlieben auch ausleben. Egal aus welchem Land wir kommen, egal welches Geschlecht, Alter oder Hautfarbe wir haben – solange wir uns in den Grenzen bewegen, die Recht und Gesetz uns setzen, genießen wir Europäerinnen und Europäer ein sehr hohes Maß an Freiheiten, um unsere individuellen Eigenheiten leben zu können.

Politische Systeme, in denen die Anerkennung und der Respekt vor den vielfältigen (individuellen) Eigenheiten, Interessen, Meinungen und Zielen fest verankert und verfassungsrechtlich geschützt sind, nennt man „pluralistisch“. Zusammen mit dem Leitbild der Toleranz und der Nichtdiskriminierung gegenüber Andersartigen und Andersartigem sichert die Idee des Pluralismus das friedliche Zusammenleben in offenen, vielfältigen Gesellschaften. Die Verankerung und Akzeptanz von Pluralismus und Toleranz in den Staaten Europas ist eine wichtige Lehre aus den Erfahrungen der Zeit des Faschismus und des Zweiten Weltkriegs, in der es lebensgefährlich war, nicht dem staatlich vorgeschriebenen Idealbild eines Menschen zu entsprechen.

Vielfalt und politisches Entscheiden in Europa

Vielfalt ist etwas Schönes, Bereicherndes. Sie ist in der EU aber auch eine Herausforderung bei der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und bei gemeinsamen politischen Entscheidungen: Aus vielfältigen nationalen Historien, Traditionen und Wirtschaftsleistungen ergeben sich zahlreiche unterschiedliche Interessen. Wie schafft man es, sehr unterschiedliche gesellschaftliche und wirtschaftliche Interessen von 27 Staaten und ihrer Bevölkerung unter einen Hut zu bekommen?

Indem alle Beteiligten akzeptieren, dass ihre eigenen Interessen am ehesten geschützt sind, wenn sie die Interessen und Eigenheiten der anderen respektieren. Dies ist eine Voraussetzung dafür, faire Kompromisse zu finden. Das gilt auf allen politischen Ebenen, angefangen bei den Gemeinden. Auch dort macht Vielfalt von Meinungen und Interessen politische Entscheidungen mühsam. Auf Ebene der Europäischen Union ist es zugegebenermaßen aufgrund der Sprachenvielfalt und der großen Anzahl an Beteiligten an Entscheidungsprozessen noch zäher. Das ist oft frustrierend, weil es zu sehr komplizierten Kompromissen oder Teillösungen kommt. Diese erreichen oft nur Teile dessen, was notwendig und zielgerecht wäre. Der Politik wird dann oftmals Unfähigkeit vorgeworfen; dabei schafft sie es innerhalb der EU auf diese Weise, für ein dauerhaft friedliches und faires Zusammenleben zu sorgen.

Lern- und Spielwiese

Spielend Lernen mit Anregungen, Quiz und weiteren interaktiven Elementen.

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